{"id":1450,"date":"2019-06-04T08:12:24","date_gmt":"2019-06-04T06:12:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-baums.de\/jakobsweg\/?p=1450"},"modified":"2019-06-26T15:58:29","modified_gmt":"2019-06-26T13:58:29","slug":"santiago-und-regen-kann-so-schoen-sein-%f0%9f%92%a6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-baums.de\/jakobsweg\/2019\/06\/04\/santiago-und-regen-kann-so-schoen-sein-%f0%9f%92%a6\/","title":{"rendered":"Santiago und Regen kann so sch\u00f6n sein \ud83d\udca6"},"content":{"rendered":"<p>Der letzte Walk heute. Die letzten 16 km. Irgendwie ein besonderes Gef\u00fchl, alles viel bewusster. Ich wei\u00df, heute werden f\u00fcr dieses Abenteuer ein letztes Mal die F\u00fc\u00dfe getapet, ein letztes Mal der Rucksack auf diese besondere Weise gepackt. Nicht alles reinstopfen, sondern alles Schwere k\u00f6rpernah, damit er sich gut tragen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Und noch etwas ist anders heute. Es regnet! Nicht in Str\u00f6men, nein, es ist dieser leichte Spr\u00fchregen.<\/p>\n<p>Endlich wei\u00df ich, dass es doch sinnvoll war, mein Regencape und die Regengamaschen all die Kilometer mit mir rumzutragen. Ich hatte schon \u00fcberlegt, sie zur\u00fcck zuschicken. Der Regen macht mir \u00fcberhaupt nichts aus. Ich wei\u00df schon aus Erfahrung, dass ich gut bei diesem Wetter laufen kann. Lustig ist, dass ich irgendwann nicht mehr unterscheiden kann, ob mein Gesicht vom Regen oder doch vom Schwei\u00df nass ist. Ich denke beides, es schmeckt salzig \ud83d\ude02<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist Regen ein Himmelsgruss. Es gibt genug geliebte verstorbene Menschen und Katzen, die mir auf diese Weise einen guten Weg w\u00fcnschen k\u00f6nnten heute.<\/p>\n<p>Ich finde, wenn ich genau hinschaue, kann Regen sehr sehr sch\u00f6n sein. Letztendlich entscheide ich, ob ich &#8220; das Wetter&#8220; ganz schlimm finde, oder eben nicht.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.claudia-baums.de\/jakobsweg\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/img_4675.jpg\" class=\"size-full\"><img src=\"https:\/\/www.claudia-baums.de\/jakobsweg\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/img_4672.jpg\" class=\"size-full\"><\/p>\n<p>Heute setzte ich jeden Schritt bewusster, in dem Wissen, dass jeder Schritt mich meinem Ziel n\u00e4her bringt und eben auch etwas zu Ende geht.<\/p>\n<p>Ich fotografiere viel mehr und mein Mann bleibt jedes Mal geduldig stehen. Meist l\u00e4uft er hinter oder neben mir. Er sp\u00fcrt inzwischen schon die ersten Zeichen, dass ich gleich stehen bleibe. Wir sind ein richtig gut eingespieltes Team. Anfangs gab es noch ein paar &#8220; Auflauf- Unf\u00e4lle&#8220;. \ud83d\ude02 Immerhin ist er ja auch um ein vielfaches gewichtiger, mit seinem Rucksack. Da bremst man nicht so schnell ab.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.claudia-baums.de\/jakobsweg\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/img_4669.jpg\" class=\"size-full\"><\/p>\n<p>Heute ist es nicht kalt und ich entscheide mich gegen die Hosenbeine an meiner Zipphose.<\/p>\n<p>Allerdings kommen die Regengamaschen an die Waden. Ich bin ganz begeistert von Ihnen. Sie hatten schon des \u00d6fteren ihren Einsatz bei meinem letzten Camino. Sie sch\u00fctzen die Hose oder die Unterschenkel vor Schmutz und Regen. Anders als eine Regenhose, beengen sie aber nicht und lassen mir noch genug Luft.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.claudia-baums.de\/jakobsweg\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/img_4659.jpg\" class=\"size-full\"><\/p>\n<p>Und jetzt noch mein Schlumpfregencape. Auch so eine praktische Sache. Es ist so gearbeitet , dass der ganze Rucksack und die Claudia darunter passen. Eigentlich ist es ein ein- Frau- Zelt \ud83d\ude02. Bei meinem ersten Mal brauchte ich Hilfe beim Anziehen. Ich stand in der Landschaft und es war total windig. Ich steckte in der blauen Folie und fand den Ausgang f\u00fcr meinen Kopf nicht. Ich hatte schon Beklemmungen. Gott sei dank fanden sich ein paar hilfreiche H\u00e4nde. Heute kann ich es schon alleine. \ud83d\ude0a<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.claudia-baums.de\/jakobsweg\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/8fdbc105-e3a5-4c9a-9be1-594db931f108.jpg\" class=\"size-full\"><\/p>\n<p>Obwohl es jetzt nicht mehr weit war, wurde nicht der k\u00fcrzeste Weg in die Stadt gew\u00e4hlt. Die Markierungen f\u00fchrten uns durch W\u00e4lder, Felder und durch kleine D\u00f6rfer. Auch wenn es sich anf\u00fchlte, als w\u00fcrden wir einen gro\u00dfen Umweg laufen, so war es Landschaftlich fast immer sch\u00f6n und entspannt.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.claudia-baums.de\/jakobsweg\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/img_4667.jpg\" class=\"size-full\"><\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.claudia-baums.de\/jakobsweg\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/img_4678.jpg\" class=\"size-full\"><img src=\"https:\/\/www.claudia-baums.de\/jakobsweg\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/img_4668.jpg\" class=\"size-full\"><\/p>\n<p>Und dann kam die Stadt n\u00e4her. Es ist eine ganz eigene Stimmung, langsam in eine Stadt zu laufen. Alles wird irgendwie enger, dichter und unruhiger. Bei Kilometerstein 6,60 km habe ich in der Ferne das erste Mal die T\u00fcrme der Kathedrale erahnt und geweint. Ich kann kaum in Worte fassen, wie bewegend das ist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-baums.de\/jakobsweg\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/img_4706-2.jpg\" class=\"size-full wp-image-1465\" width=\"3264\" height=\"2448\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-baums.de\/jakobsweg\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/img_4706-2.jpg 3264w, https:\/\/www.claudia-baums.de\/jakobsweg\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/img_4706-2-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.claudia-baums.de\/jakobsweg\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/img_4706-2-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.claudia-baums.de\/jakobsweg\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/img_4706-2-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.claudia-baums.de\/jakobsweg\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/img_4706-2-1200x900.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/p>\n<p>Da ist sie. Kannst du sie sehen? Jetzt sind wir ganz nah dran. Ich grinse schon seit vielen Kilometern von einem Ohr zum anderen und gleichzeitig laufen mir die Tr\u00e4nen \u00fcber die Wange. Ich bin so gl\u00fccklich, dass mir viele Menschen entgegen strahlen. \ud83d\ude01<\/p>\n<p>Mir ist das ja ein bisschen peinlich mit der Heulerei, aber so bin ich nun mal. Wenn mich etwas tief ber\u00fchrt gibt es G\u00e4nsehaut und Tr\u00e4nen und Lachen.<\/p>\n<p>Und mit einem Mal sind wir angekommen. Stehen mitten auf dem Platz vor der Kathedrale. Es ist total unwirklich. Geschafft! Wir haben es geschafft. Ich habe ein regelrechtes Feuerwerk in mir. Lauter Gl\u00fccksraketen z\u00fcnden in mir. Ich lache laut, Jubel und weine.<\/p>\n<p>So viele Menschen stehen und sitzen um uns herum. Auch sie sind gerade angekommen und kosten diesen besonderen Moment aus. Immer wieder sehen wir Menschen, die wir auf dem Weg getroffen haben. Wir umarmen uns.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.claudia-baums.de\/jakobsweg\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/img_4720.jpg\" class=\"size-full\"><\/p>\n<p>Wir legen uns mitten auf den Platz, so dreckig und nass-geschwitzt, wie wir sind.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.claudia-baums.de\/jakobsweg\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/img_4732.jpg\" class=\"size-full\"><\/p>\n<p>Offensichtlich sind wir ein beliebtes Fotomotiv . Immer wieder bleiben Leute stehen, um die echten Pilger zu fotografieren. Sogar ein japanisches Paar ist ganz aus dem H\u00e4uschen. Beide erf\u00fcllen total mein Bild von Japanern. Er mit seinem dicken Fotoapparat um den Hals und sie gl\u00fccklich kichernd hinter uns, den Arm um uns gelegt. Jetzt ist sie auch mit auf dem Bild und ein Teil des Jakobswegs. Und wir lassen uns demn\u00e4chst in Japan anschauen. &#8222;Kicher &#8211; Kicher&#8220;.<\/p>\n<p>Irgendwann gehen wir unsere Compostela abholen. Daf\u00fcr stehen wir 1 1\/2 Stunden mit gl\u00fccklichen zum Teil geduschten und ungeduschten Pilgern an. Menschen aus aller Herren L\u00e4nder, die alle ihren individuellen Weg gegangen sind und alle auf ihre Art angekommen sind. Vor drei Jahren stand ich schon mal hier. Dieses Mal ist es anders. Dieses Mal steht der Mann neben mir, den ich \u00fcber alles Liebe. Wir sind den Weg gemeinsam gegangen. Und wir durften erleben, wie sehr wir im Einklang miteinander sind. Schritt f\u00fcr Schritt. Er ist mein Fels in der Brandung. Ehrlich gesagt, war ich mir vorher nicht so sicher, ob dieser Weg harmonisch verlaufen w\u00fcrde. Aber wir haben die Feuertaufe bestanden. Wir sind so verschieden, dass wir uns wunderbar erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p>Jetzt gibt es neue Pl\u00e4ne. Eine Christina lag neben uns auf dem Kathedralenplatz. Sie hat uns von einem Weg erz\u00e4hlt, der durch Italien verl\u00e4uft. Er startet in Florenz und geht Richtung Rom.<\/p>\n<p>Wenn ein Ziel erreicht wird, dann endet etwas. Aber gleichzeitig beginnt auch etwas Neues.<\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren voneinander. Dann vielleicht aus Italien.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte dir von Herzen danken, dass du mich und uns auf diesem Weg begleitest hast. Ich wei\u00df von einigen, dass meine Worte sie so inspiriert haben, dass sie auch den Camino gehen werden. Das l\u00e4sst mich strahlen. Andere haben mir Nachrichten geschrieben und mich ermutigt, ein Buch \u00fcber diesen Weg zu schreiben. Danke daf\u00fcr. Ich werde ein Ebook schreiben, wenn wir wieder zu Hause sind. Ich danke euch Lesern, ich danke meiner Mutter f\u00fcr Ihre liebevollen t\u00e4glichen Worte und ich Danke jedem Menschen, dem ich auf diesem Weg begegnet bin und mich mit seinem Sein bereichert hat. Heute Abend wird Geburtstag gefeiert. Ein Mitpilger wird 50 Jahre und hat uns eingeladen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der letzte Walk heute. Die letzten 16 km. Irgendwie ein besonderes Gef\u00fchl, alles viel bewusster. Ich wei\u00df, heute werden f\u00fcr dieses Abenteuer ein letztes Mal die F\u00fc\u00dfe getapet, ein letztes Mal der Rucksack auf diese besondere Weise gepackt. Nicht alles reinstopfen, sondern alles Schwere k\u00f6rpernah, damit er sich gut tragen l\u00e4sst. 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